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Elektromobilität im Fuhrpark: Was E-Fahrzeuge für die Service-Tourenplanung bedeuten

Mit dem wachsenden Anteil von Elektromobilität im Fuhrpark wird die Tourenplanung im Field Service komplexer. Zu Skills, SLAs, Ersatzteilen, Arbeitszeiten und Fahrzeiten kommen weitere harte Planungsfaktoren hinzu: Reichweiten und Ladezeiten. Wie Sie jetzt die Disposition Ihres Außendiensts anpassen sollten.

Inhalt

Warum Elektromobilität im Field Service zum Planungsthema wird

Die Elektrifizierung des Fuhrparks ist nicht nur ein technisches Thema. E-Fahrzeuge (und andere alternative Antriebe) verändern die Disposition. Die Tourenplanung muss an die Bedarfe der elektrischen Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur angepasst werden, also vor allem Ladezeiten, Ladepunkte und Reichweiten einkalkulieren. Damit wird die Disposition des Field Service noch anspruchsvoller, aber auch strategisch wichtiger.

Spielt Reichweitenangst bei E-Fahrzeugen noch eine Rolle?

Reichweitenangst spielt zunehmend eine untergeordnete Rolle. Die Sorge, unterwegs mit leerem Akku liegen zu bleiben, erübrigt sich mit fort­schrei­tender Batterie­technologie und dem Ausbau des Ladenetzes mehr und mehr. Gerade im privaten Kontext, wo man selten komplexe Routen plant, ist die Furcht mittlerweile unbegründet.

Im betrieblichen Kontext ist das Thema aber weiterhin relevant, weniger als Reichweitenangst als als Planungsfaktor. Es stellen sich Fragen wie: Reicht der Akku für die heutige Tour? Gibt es unterwegs eine passende Lademög­lichkeit? Passt die Ladezeit zum Einsatzplan?

E-Mobilität wird zum operativen Risiko, wenn Tourenplanung, Ladeplanung und untertägige Steuerung des Field Service nicht zusammenspielen.

Aktuelle Zahlen: Wie weit verbreitet sind E-Fahrzeuge in betrieblichen Fuhrparks?

Der Umstieg auf E-Fahrzeuge in betrieblichen Fuhrparks ist mitten im Gange. Das Arval Fuhrpark- und Mobilitäts­barometer 2026 zeigt, dass bereits 70 % der deutschen Betriebe Autos mit elektrischer Antriebsform nutzen.

Noch ist die Mehrzahl der Fahrzeuge im Fuhrpark allerdings mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet. Die DKV Mobility Elektro­­mobili­täts­studie 2026 weist folgende Anteile der unterschiedlichen Antriebe in deutschen Unternehmensflotten aus (PKW und Transporter):

Anteile der Antriebsarten in Unternehmens­flotten (Deutschland)

Diesel: 36 %
Benzin: 32 %
Reine E-Fahrzeuge: 16 %
Plug-in-Hybride: 9 %
Mild-Hybride: 6 %
Andere: 2 %

Über die Hälfte der befragten Unternehmen plant, in den kommenden zwei Jahren weitere voll­elektrische Fahrzeuge anzuschaffen (53 %).

Warum E-Fahrzeuge die Tourenplanung komplexer machen

Die Tourenplanung im Field Service hat eine effiziente und wirtschaftliche Erledigung der Aufträge zum Ziel. Sie optimiert Termine, Einsatzzeiten und -orte, Fahrzeiten, Strecken, Kosten und Auftrags­durchsatz. Dabei berücksichtigt sie eine Vielzahl von Faktoren (Restriktionen) wie SLAs, Qualifikationen, Verfügbar­keiten und Prioritäten.

Mit E-Fahrzeugen in der Serviceflotte kommen neue Restriktionen hinzu: Reichweite, Ladebedarf, Ladegeschwin­digkeit, Ladepunktver­fügbarkeit und Rückkehr zum Depot oder Heimladepunkt. Dadurch entstehen neue Zielkonflikte:

  • Kürzeste Route vs. beste Lademöglichkeit
  • SLA-Einhaltung vs. notwendiger Ladestopp
  • Am besten geeignete:r Techniker:in vs. ausreichende Reichweite
  • Auslastung vs. Batterie-/Ladepuffer

 

Für die Disponent:innen heißt es daher, die Ladeplanung in die Tourenplanung mitein­zubeziehen.

Reichweite wird zur Planungsrestriktion

Die Disposition muss die Reichweite der einzelnen Fahrzeuge kennen. Sie muss als Restriktion in die Tourenplanung einfließen, ganz ähnlich wie etwa Arbeitszeiten und Skills der einzelnen Field Service-Mitar­bei­ter:innen.

Dann gilt es, die Anzahl der Einsätze pro Tag und die Summe der Routen zwischen den Einsatzorten zu beachten. Vereinfacht gesagt lauten die Fragen: Welche Tour passt zu welchem Fahrzeug? Wo ist ein Sicherheits­puffer bzw. ein Ladestopp einzuplanen?

Ladezeiten werden Teil des Einsatzplans

Ladezeit frisst Arbeitszeit, wenn sie nicht intelligent in den Tag eingebettet wird. Hier spielt vor allem hinein, wo die Fahrzeuge geladen werden: Am Depot? Zuhause? An öffentlichen Ladepunkten? Beim Kunden? Idealerweise plant die Disposition die Ladezeiten in bestehende Standzeiten ein, um keine produktive Servicezeit zu verschwenden.

Ladeinfrastruktur entscheidet mit über die Tourqualität

Aus der Ladeinfrastruktur folgt insbesondere der Zeitpunkt der Ladung. Bei eigenen Ladepunkten am Depot oder bei den Mitar­beiter:innen zuhause lassen sich die E-Fahrzeuge einfach über Nacht laden.

Sind unterwegs Ladestopps erforderlich, kommt es auf die regionale Ladeinfra­struktur an und es stellen sich Fragen wie: Wo starten meine Servicekräfte? Welche Regionen werden regelmäßig bedient? Wo lohnen sich eigene Ladepunkte?

Reoptimierung im Tagesverlauf wird wichtiger

Field Service ist heute hoch dynamisch. Notfälle kommen rein, Einsätze dauern länger, Kund:innen sagen Termine ab, Ersatzteile fehlen, Verkehr verändert sich, Techniker:innen fallen aus. Eine morgens perfekte Tour kann mittags nicht mehr funktionieren.

Mit Elektrofahrzeu­gen kommen weitere Faktoren hinzu, die für Brüche in den Touren sorgen können. Eine statische Disposition bzw. Tourenplanung wird daher immer riskanter. Die Dispo­nent:innen brauchen die Möglichkeit, im Tagesverlauf schnell und flexibel reoptimieren zu können.

Was gute Tourenplanung für elektrische Serviceflotten leisten muss

Eine gute Tourenplanung für E-Flotten sollte nicht nur Einsätze zuweisen und Routen berechnen, sondern die gesamte operative Realität abbilden. Sie muss eine Vielzahl von Restriktionen und Faktoren einbeziehen und in Einklang bringen, um das übergeordnete Ziel zu erreichen: eine erfolgreiche und wirtschaftliche Bearbeitung der Aufträge.

Elektromobilität im Field Service erfordert eine Tourenplanung, die unter anderem Folgendes leistet:

  • Touren mit realistischen Reichweiten planen
  • Ladestopps sinnvoll einplanen
  • Ladezeiten in Pausen oder Standzeiten integrieren
  • bei Änderungen schnell reoptimieren
  • SLAs und Kundentermine absichern
  • unnötige Kilometer vermeiden
  • Flottenauslastung verbessern

 

Wie sich die Anforderungen von E-Mobilität bei der Tourenplanung pragmatisch umsetzen lassen

Die Anschaffung von Elektrofahrzeugen macht eine Anpassung der Planung erforderlich. Unternehmen, die E-Autos einfach in alte Planungs­prozesse einsetzen, riskieren ineffiziente Touren, unnötige Ladezeiten, Stress in der Disposition, verpasste Termine und sinkende Produktivität.

Hier ist ein Beispiel, wie Sie die Anforderungen von E-Mobilität in einer Dispositions­lösung wie unserem VISITOUR-System umsetzen können:

  • Bilden Sie die Reichweite der einzelnen Fahrzeuge über die konfigu­rier­bare maximale Kilometerzahl ab. VISITOUR beachtet diese dann bei der Tourenerstellung.
  • Legen Sie für Ladevorgänge eine eigene Auftrags- bzw. Einsatzart an.
  • Planen Sie diese mit ein (z. B. zwei geplante Ladevorgänge pro Woche), basierend auf der prognosti­zierten Kilometer­leistung, den Einsatzorten und dem Fahrradius.
  • Geben Sie den Außendienstmitarbeiter:innen die Möglichkeit, weitere Ladebedarfe anzumelden.
  • Halten Sie die Disposition durch Nutzung der intelli­genten Echtzeit-Reoptimierung flexibel, um zusätz­liche Ladebedarfe effizient einplanen zu können.

VISITOUR ermöglicht eine intelligente Einsatz- und Tourenplanung und ist flexibel anpassbar auf jede Serviceorganisation

Fazit: Elektromobilität funktioniert im Field Service nur mit smarter Einsatzplanung

Die größte Herausforderung sind nicht die Fahrzeuge oder die Ladeinfra­struktur allein. Die größere Herausforderung ist die operative Integration: Touren, Ladezeiten, Reichweiten, SLAs, Tagesdynamik. Die Umstellung auf E-Mobilität ist daher der richtige Zeitpunkt, um die Tourenplanung zu modernisieren.

Elektrofahrzeuge im Field Service sind eine Planungsfrage, jedoch nur eine unter vielen. Die Tourenplanung ist ein „multi­dimensio­nales Puzzle“, das ganzheitlich betrachtet werden muss. Mit einem Dispositions­system, das der Komplexität und Dynamik des heutigen Field Service gerecht wird, bleiben Ihre Arbeitsabläufe kosten­optimiert, effizient und produktiv – bzw. werden es erst.

Autor:

André Bock

Sales Manager & Senior Consultant


Hintergrund und Expertise im FSM-Bereich:

André Bock ist Experte für Field Service Management (FSM) mit Schwer­punkt auf Einsatzplanung, Touren­optimierung und digitale Service­prozesse. Als Mit­arbeiter von Solvares Field Service (vormals FLS – FAST LEAN SMART) beschäftigt er sich seit über 17 Jahren mit der Frage, wie Unter­nehmen ihren technischen Außen­dienst effizienter, produktiver und kunden­orien­tierter steuern können.